Lese-Rechtschreib-Schwäche
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Sind Apps und E-Books auch für Kinder mit LRS geeignet?

von Marleen Dudjahn, Leiterin des Fachbereichs Englisch der Duden Institute für Lerntherapie

Kinder und Jugendliche mit Schwierigkeiten im Erlernen des Lesens greifen aus freiwilliger Initiative kaum zu Büchern. Für sie ist die Auseinandersetzung mit der Schriftsprache häufig eine Qual. Die häusliche Unterstützung bei diesen Schwierigkeiten wird oft sowohl für Eltern als auch für Kinder zur aufreibenden Situation und gemeinsames Lesen stellt keinen schönen gemeinschaftlichen Moment, sondern eine Belastung für alle dar.

Digitale Medien als Chance

Eine Chance, die Kinder und Jugendlichen zur Auseinandersetzung mit dem Lesen zu motivieren, kann der Einsatz von digitalen Medien sein. Nahezu 100 % aller Haushalte verfügen über ein Smartphone oder andere digitale Endgeräte. 97 % der 14- bis 19-Jährigen besitzen sogar ein eigenes Smartphone. Kinder und Jugendliche nutzen ihre digitalen Geräte sicherlich unterschiedlich sinnvoll. Fakt ist aber, dass ca. 50 % der Aktivitäten von Jugendlichen mit dem Smartphone mit Lesen verbunden sind (vgl. Stiftung Lesen). Es ist also wichtig, dass die Schlüsselkompetenz Lesen ausreichend entwickelt ist, damit die Schüler an diesen Aktivitäten teilhaben können. Die Anwendungen bestehen aus der Beschaffung von Informationen aus dem Internet, Spielen, zum größten Teil aber aus der Kommunikation mit Freunden und Mitschülern. Laut einer Studie von ARD und ZDF nutzen 70 % aller Jugendlichen täglich E-Mails und/oder Messenger-Dienste zum Austausch mit Freunden. Digitales Lesen ist bei fast allen diesen Aktivitäten notwendig. Man sollte also ein solches Nutzungsverhalten als Chance sehen, um Kinder und Jugendliche auf diesem Weg zum Lesen und Schreiben zu motivieren.

Angebote zum digitalen Lesen

In welcher Form und mit welchem Angebot zum digitalen Lesen dies geschieht, ist sicherlich individuell unterschiedlich und variabel. Für Grundschulkinder kann es interessant sein, interaktive Geschichten zu lesen, in denen neben den Lesetexten animierte Bilder das Leseverständnis anregen und zum Weiterlesen animieren. Auch Apps oder Bücher, in denen sich Lese- und Spielanteile abwechseln, können sich äußerst positiv auf die Lesemotivation auswirken. Wichtig ist auch hier, dass die Geschichten für die Kinder interessant sind. Daneben kann Lernsoftware zur Leseförderung gerade für Grundschulkinder eine gute Möglichkeit sein, um sie für spezifische Leseübungen zu motivieren. Diese Programme sind häufig mit einem Belohnungssystem ausgestattet, was die Kinder, neben der Beschäftigung mit dem digitalen Gerät an sich, zusätzlich zum Üben motivieren kann.

Für Jugendliche, die wenig motiviert sind, sich mit dem klassischen Buch auseinanderzusetzen, kann das Lesen eines interaktiven E-Books ein durchaus attraktives Angebot sein. Auch hier sind oft Elemente und Animationen integriert, die das Lesen zu einer interaktiven Erfahrung machen. Teilweise können die Jugendlichen durch Texteingabe die Geschichte sogar mitgestalten. Neben diesen spezifischen Angeboten hat aber bereits, wie oben ausgeführt, die Kommunikation auf digitalen Wegen und die Informationsbeschaffung im Internet einen hohen Anteil am täglichen Lesen, der den Schülerinnen und Schülern (und auch den Eltern und Lehrern) oft gar nicht als solcher bewusst ist. Denn hier geschieht das Lesen sozusagen nebenbei im Alltag und wird nicht wie im klassischen oder schulischen Sinn am Printmedium festgemacht.

Digitales Lesen als Entwicklungsschritt

Gerade für Kinder mit Schwierigkeiten im Lesen kann also die Loslösung vom Printmedium eine Chance darstellen, um sich (wieder) mit Schriftsprache auseinanderzusetzen. Diese Möglichkeit kann genutzt werden, um sie für das Lesen zu motivieren. Natürlich sollten dabei geeignete Titel gewählt werden sowie ein angemessener Nutzungszeitrahmen eingehalten werden. So können Kinder durch das digitale Lesen ihre Lesekompetenz gleichermaßen weiterentwickeln, sodass einige sicherlich auch dadurch vielleicht später den Griff zum „dicken Wälzer“ wagen werden.

Lese-Rechtschreib-Schwäche | 05.12.2018

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