Pädagogik und Psychologie

Intensivtherapien – auch online ein Gewinn! – Ein Erfahrungsbericht

Dr. Lorenz Huck gibt Einblicke in die Durchführung von Intensivtherapien an den Duden Instituten. Sein Fazit: Auch online können Kinder und Jugendliche in Intensivtherapien viel Spaß haben und viele Erfolge erleben.

Schon seit vielen Jahren sind Intensivwochen in den längeren Ferien ein fester Bestandteil des therapeutischen Angebots der Duden Institute.

Vor der Corona-Pandemie hatten sich die Abläufe fest eingespielt. Eine ganze Ferienwoche lang kamen die Kinder jeden Vormittag ins Institut: Durch die besondere Organisationsform entstand der Raum, in Kleingruppen und an Projekten zu arbeiten und auch die Pausen gemeinsam zu gestalten. Am Ende der Woche wurden Ergebnisse und Fortschritte ausführlich gewürdigt – gemeinsam mit den Eltern oder sogar in einer großen Präsentationsrunde mit allen Kindern, die in dieser Woche an einer Intensivtherapie teilgenommen hatten (siehe Bild oben).

Die Intensivtherapie hat aus unserer Sicht viele Vorteile – nachvollziehbare Vorbehalte der Kinder und Eltern konnten wir stets ausräumen: Dazu bezogen wir die Kinder in die Vorbereitung der Intensivtherapien mit ein und stellten sicher, dass sie außerhalb der Lernzeiten am Institut noch genügend (Ferien-)Zeit für Entspannung und Erholung hatten.

Durch die Corona-Pandemie mussten wir auch in diesem Bereich unsere Arbeitsweise von Grund auf verändern. In Abhängigkeit vom Infektionsgeschehen und von den gesetzlichen Regelungen vor Ort konnten Intensivtherapien in manchen Fällen weiterhin am Institut stattfinden: Dann mussten strenge Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden.

Kam dies nicht in Frage, suchten wir nach Möglichkeiten, Intensivtherapien online umzusetzen. Das technische Setting, das wir bereits für unsere regulären Online-Therapien verwendeten, ermöglichte lerntherapeutische Gespräche über das Videotelefonat. Gleichzeitig konnten geteilte Dokumente in verschiedenen Programmen, die Texte, Zeichnungen oder Präsentationen enthielten, mit dem Therapiekind bearbeitet werden.

In der Online-Intensivtherapie achteten wir besonders darauf, dass die Lernsituation durch den Wechsel unterschiedlicher Arbeitsformen aufgelockert wurde: Projektarbeit wurde oft noch stärker in den Vordergrund gerückt. Durch den ruhigen Rhythmus der Intensivtherapie konnten wir individuell auf die Situation des Kindes eingehen: Pausen wurden aktiv – mit Bewegungsübungen – gestaltet, Entspannungsphasen wurden in den Therapieablauf eingebaut. Phasen konzentrierter Erarbeitung wurden an den Anfang des Therapietages und Phasen spielerischer Festigung ans Ende gesetzt.
Manchen Kindern – vor allem jüngeren – waren dreimal 50 Minuten Bildschirmtätigkeit auch unter diesen Bedingungen nicht zuzumuten. Die tägliche Therapiezeit wurde dann verkürzt. Manchmal wurde die Intensivtherapie auf mehr als fünf Tage verteilt.

Viele Formen der Projektarbeit waren online genauso oder sehr ähnlich durchführbar wie in der regulären Intensivtherapie. Dabei arbeiteten der/die Therapeut/-in und das Kind oft parallel an der gleichen Aufgabe:

  • Falt- oder Bauprojekte, die besonders bei der Gestaltung einer Intensivtherapie mit mathematischem Schwerpunkt in Frage kommen, konnten durchgeführt werden, indem das Kind mit dem benötigten Material versorgt wurde.

  • Bücher und Hefte, die Lern- und Arbeitsportfolios, z. B. zum Thema „Brüche“, enthielten, wurden mit Hilfe von Vorlagen angelegt und später vom Kind selbstständig hergestellt.

  • Varianten zu Spielen wie „Quartett“ oder „Dobble“ wurden gemeinsam erfunden und produziert.

In der regulären Intensivtherapie sind Plakate eine der beliebtesten Möglichkeiten zur Dokumentation eines Projekts. Online wurden meist andere Lösungen gewählt.

Notizbücher erlaubten es, (handschriftliche) Texte und Bilder nach Belieben zusammenzustellen. Unkompliziert ließen sich Hintergrundfarben und Schriftarten variieren, um eine schöne und kindgerechte Gestaltung zu erreichen.



Abbildung 1: Brian wollte sich in der Intensivtherapie mit einem Freizeitpark beschäftigen. Im virtuellen Notizbuch konnte er den Text durch Markierungen, Notizen und Zeichnungen bearbeiten.

Auch Präsentationen eigneten sich in der Praxis hervorragend, um Arbeitsergebnisse zu dokumentieren. Ein besonderer Vorteil war dabei, dass die Präsentation einen kleinen Vortrag unterstützen konnte, den das Kind evtl. zum Ende der Intensivwoche halten wollte.



Abbildung 2: Oleg hat eine humorvolle Präsentation zum Berner Sennenhund vorbereitet. (Aus Datenschutzgründen wurde das Bild nachträglich verfremdet.)

Diese und ähnliche Ergebnisse von Intensivtherapien wurden (wie immer) in geeigneter Weise dokumentiert, damit das Kind sein Produkt stolz mit nach Hause nehmen konnte.

Ein Highlight ist in der regulären Intensivtherapie oft die abschließende Präsentationsrunde. Die Kinder stellen im geschützten Rahmen die Produkte vor, die sie im Laufe der Woche erarbeitet haben, und erhalten viel Wertschätzung und Applaus von allen Kindern, Familien und dem Therapeutenteam, die an der Intensivwoche beteiligt sind.

Online war dies so nicht zu verwirklichen: Es war aber z. B. möglich, die Ergebnisse der Intensivwoche in einer Videokonferenz zu präsentieren, zu der sich Familienmitglieder, Freundinnen und Freunde zuschalten konnten.

Wir freuen uns sehr darauf, wieder persönlich mit unseren Therapiekindern und ihren Familien arbeiten zu können. Bis es so weit ist, können Intensivtherapien mit viel Spaß und Erfolg auch online durchgeführt werden!

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