Pädagogik und Psychologie
Teilen:

Rezension: Pädagogik der Jugendphase

Rezension von Dr. Lorenz Huck, Duden Institute für Lerntherapie

Anne Sliwka ist Professorin für Schulpädagogik an der Universität Heidelberg. Sie forscht u. a. über Schulentwicklung in international vergleichender Perspektive. Ihr aktuelles Buch „Pädagogik der Jugendphase“ wendet sich vor allem an Lehrkräfte und Schulverantwortliche, die an einer jugendgerechten Weiterentwicklung von Schulen interessiert sind.

Sliwka geht von der Feststellung aus, dass die auf Schule und Lernen bezogene Motivation ab dem 11. Lebensjahr dramatisch zurückgeht und erst wieder zunimmt, wenn mit dem 16. Lebensjahr der Schulabschluss näher rückt. Sie schlägt Veränderungen in der Schulorganisation, der Schulkultur und im Unterricht vor.

Als Grundlage referiert sie die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Jugend als Übergangsphase, zu Veränderungen des Körpers, des Gehirns und des Schlafbedürfnisses sowie zu Geschlechtsunterschieden. Die zentrale Entwicklungsaufgabe der Jugend sieht sie darin, dass Jugendliche lernen müssen, sich selbst zu regulieren.

Für jugendgerechte Schulen nennt Sliwka acht Gestaltungsprinzipien, die sie jeweils mit Beispielen veranschaulicht: Vorschläge betreffen u. a. eine Schulorganisation, die durch innere und äußere Differenzierung sicherstellt, dass alle Jugendlichen ihrem Leistungsstand entsprechend in der „Zone der nächsten Entwicklung“ lernen können, oder eine Unterrichtsgestaltung, die wichtige Lerninhalte mit Interessen und Lebenswelten der Jugendlichen verknüpft. Mit Blick auf Rückmeldungen zu Leistung und Verhalten formuliert Sliwka: „Jugendliche brauchen Feedback, das ihnen ein realistisches und zugleich positives und zuversichtliches Selbstkonzept ermöglicht.“ (S. 67). Bei der Leistungsbewertung spricht sich Sliwka im Einklang mit dem internationalen Trend dafür aus, Jugendliche weniger anhand sozialer Normen zu beurteilen („Wo stehst du im Vergleich zu den anderen?“) und mehr anhand von kriterialen Normen („Welche Ziele hast du erreicht?“) sowie individuellen Normen („Wie hast du dich entwickelt?“).

Sliwka will Jugendlichen ein sogenanntes „Deep Learning“ ermöglichen, das über den Erwerb von Wissen hinausgeht und auch die Fähigkeit betrifft, sich selbst in forschenden, projektorientierten Lern- und Arbeitsprozessen zu steuern. Wichtig ist ihr dabei, dass solche offenen Lernphasen stets gut strukturiert und durch Phasen direkter Instruktion vorbereitet sind.

Im abschließenden Kapitel stellt Sliwka Auszüge aus Interviews mit Schülerinnen und Schülern sowie Lehrern und Lehrerinnen vor. Daraus und aus den vorhergehenden Überlegungen leitet sie fünf Postulate ab: Sie fordert u. a., dass Pädagoginnen und Pädagogen wissenschaftlich fundierte Kenntnisse zur „Transformationsphase Jugend“ benötigen, um diese begleiten und ihre Chancen nutzen zu können.

Anne Sliwkas „Pädagogik der Jugendphase“ gibt den aktuellen Stand der schulpädagogischen Forschung prägnant und verständlich wieder. Zahlreiche Beispiele aus der deutschen und internationalen Schulpraxis veranschaulichen ihre Überlegungen. Als Leitgedanken ziehen sich durch das Buch eine wertschätzende Sicht auf Jugendliche und der Respekt vor ihren Bedürfnissen nach Selbstbestimmung, Erfolgen, Anerkennung und Zugehörigkeit.

Pädagogik der Jugendphase. Wie Jugendliche engagiert lernen. Anne Sliwka (2018). Weinheim, Basel: Beltz. ISBN 978-3-407-25755-0

Pädagogik und Psychologie | 16.05.2018

„Ich glaube, so eine Präsentation kann ich schon schaffen ...“