Für ein Kinderleben ohne Schulangst

Im Portrait: Heiko Töpfer

Ein zentraler Ansatz der Duden Institute für Lerntherapie ist das Fördern ohne Leistungsdruck. Bei Heiko Töpfer, Leiter des Instituts in Goslar, wird dies besonders groß geschrieben.

Was Heiko Töpfer am Konzept der Duden Institute für Lerntherapie überzeugt hat, ist das Menschenbild. Dass es um die Kinder gehe, und zwar um jedes einzelne, ganz persönlich, das sei ihm wichtig. Er möchte nicht fragen, wie man Kinder zu funktionierenden Mitgliedern eines Systems erziehen kann, sondern herausfinden, wie dieses eine Kind, das jetzt gerade vor ihm sitzt, einen persönlichen Erfolg erzielen kann.

Bei den Duden Instituten darf man auch Fehler machen, man darf sich entwickeln, es herrscht kein erhöhter Leistungsdruck. Und das gilt nicht nur für die Kinder, sondern auch für das Kollegium. „Alles ist hier sehr menschlich, das hat mir von Anfang an gefallen“, sagt Töpfer.

Fördern ohne Leistungsdruck, das ist einer der zentralen Ansätze der Duden Institute für Lerntherapie. Dass Heiko Töpfer dieses Menschliche wichtig ist, merkt man ihm an. Seine Stimme ist fest, aber warm und freundlich. Er ist ein offener Mensch, neugierig und begeisterungsfähig, „den Menschen zugewandt“, wie er sich selbst beschreibt.

Seine 20-jährige Erfahrung als Gymnasiallehrer, 13 davon in Internaten, war in diesem Bereich sicher auch prägend. Die Arbeit in Doppelfunktion, nämlich als Lehrer und Erziehender, hat ihn sensibel gemacht für die Anliegen der Kinder und Jugendlichen.

„Als Lehrer an der Regelschule hat man leider oft gar keine Chance, die Kinder richtig kennenzulernen. Das ist im Internat natürlich anders“, berichtet Töpfer. Dort lebte er mit den Jugendlichen im Familienverbund und hat leider allzu oft feststellen müssen, dass viele junge Menschen weit hinter ihren eigentlichen Potenzialen zurückbleiben, diese nicht ausreizen können. Wenn das Scheitern in Deutsch, Mathe oder einer Fremdsprache der Grund dafür ist, findet Töpfer dies tragisch, denn das muss nicht sein.

Bei vielen Kindern wäre eine früher beginnende Lerntherapie wichtig

Zwei bis drei Kinder pro Schulklasse haben im Schnitt mit einer Lernschwäche zu kämpfen. Das sind fünf bis zehn Prozent der Schüler. Die Tatsache, dass die meisten Kinder erst in der dritten oder vierten Klasse in die Therapie kommen, manchmal sogar noch später, ist problematisch. Töpfer wünscht sich, dass Warnsignale vom Umfeld eher wahrgenommen werden, denn meist gibt es schon in der ersten Klasse Hinweise, dass Lernvoraussetzungen noch nicht ausreichend entwickelt sind. „Verwechselt das Kind zum Beispiel Buchstaben wie d und b, kann also die Richtung von Zeichen nicht wahrnehmen und unterscheiden, dann ist das schon ein recht deutliches Zeichen“, sagt Töpfer.

Wenn Eltern ihm sagen, „Hätten wir doch bloß eher erfahren, dass unser Kind eine Lerntherapie braucht, dann hätten wir ihm viel Leid ersparen können“, macht ihn das traurig. Schulversagen liegt schwer auf einer kleinen Kinderseele, besonders dann, wenn das Kind hart arbeitet und trotz allem Üben immer wieder scheitert. „Da geht viel Unbeschwertheit verloren, das ist traurig und für die Eltern sehr schwer anzusehen.“

„Wir sind alle Dienstleister am Kind.“


Töpfer spricht aus eigener Erfahrung, seine Frau hat zwei Kinder mit in die Ehe gebracht, die selbst mit Lernschwächen zu kämpfen haben. Zwar hat er bereits zwei Söhne aus erster Ehe und konnte sich immer gut in die Elternrolle versetzen. Doch nun selbst direkt von der Problematik Lernschwäche betroffen zu sein, gibt ihm eine ganz neue Perspektive. Großen Wert legt Töpfer deshalb auf eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern. Zu verstehen, wie das Umfeld des Kindes aussieht, hilft auch ihm in seiner Arbeit. „Viele Eltern sind stark überfordert mit der Problematik. Selbst wenn sie wollen, und das ist ja in den allermeisten Fällen so, sind sie oft in ihrem Alltag bereits so stark gefordert, dass es schwierig für sie ist, Zusatzaufgaben zu erfüllen“, weiß Töpfer.

Da sitzen dann Eltern vor ihm, die sich Vorwürfe machen und sich in ihrer Rolle gescheitert fühlen. Aber das hilft natürlich nichts, man muss nach vorne schauen. Töpfer gibt ihnen dann kleine Tipps an die Hand, wie sie auch im Alltag effektiv mit dem Kind üben können. Und konzentriert sich anschließend besonders darauf, die Kinder zu stärken. Auch die Schule mit ins Boot zu holen, ist wichtig. „Alle an dem Prozess Beteiligten sollten gut zusammenarbeiten. Ob Lehrer, Jugendamt, Ärzte oder Lerntherapeuten. Am Ende sind wir doch alle Dienstleister am Kind“, sagt Töpfer. Er zumindest sieht sich so.

Zu spät ist es nie

Der größte Dienst, den der Lerntherapeut dem Kind erweist, ist der Aufbau des Selbstvertrauens. Kinder mit Lernschwäche haben häufig verinnerlicht, dass das viele Üben doch sowieso nichts bringt, weil das ihre jahrelange Erfahrung war. Dies aufzubrechen und das Selbstvertrauen wieder herzustellen ist oft schwierig und braucht viel Geduld und Verständnis. Beides haben Töpfer und sein Team zum Glück zur Genüge und zu spät ist es dafür zum Glück auch nie.

Töpfer berichtet von einer Schülerin, die erst in der 12. Klasse den Weg zu ihm fand. Sie stand in Mathe seit Längerem auf einer 5, Nachhilfe half natürlich nicht und in einem Jahr stand bereits das Abitur bevor.

Gemeinsam mit Töpfer entschied die junge Frau, die 12. Klasse zu wiederholen und sich die letzten beiden Schuljahre durch die Lerntherapie begleiten zu lassen. In ihrer letzten Mathearbeit schrieb sie eine 2, studierte anschließend Grundschullehramt und bestand auch dort die Matheprüfung mit gut. „Wunderbar, oder?“, sagt Töpfer und strahlt.

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