Lernen zu Hause

Lerntherapie online – ein erster Erfahrungsbericht

Innerhalb kürzester Zeit haben die Duden Institute für Lerntherapie Konzepte für Online-Lerntherapien erarbeitet, mit denen seither beste Erfahrungen gesammelt wurden.

Die Corona-Pandemie hat uns dazu gedrängt, sehr schnell eine Lösung zu finden, um mit unseren Therapiekindern weiter lerntherapeutisch arbeiten zu können. Das war uns sehr wichtig, weil viele unserer Therapiekinder in der Corona-Krise besonders belastet sind:

  • Viele Kinder machen sich derzeit Gedanken darüber, ob sie selbst oder ihre Angehörigen schwer erkranken könnten.

  • Für viele werden zudem die wirtschaftlichen Belastungen, die durch die Corona-Krise ausgelöst werden, spürbar, weil ein Elternteil seine Arbeit verliert oder zumindest in Kurzarbeit geschickt wurde.

  • Dazu kommt, dass Kinder und Eltern angehalten sind, zu Hause am Schulstoff zu arbeiten – eine Situation, die für Kinder mit Lernschwierigkeiten schon unter normalen Umständen konfliktträchtig und belastend ist.
Glücklicherweise konnten wir rasch Lösungen finden. Wir waren selbst überrascht davon, wie gut sich online lerntherapeutisch arbeiten lässt!

Im Mittelpunkt steht dabei, wie in jeder Lerntherapie, das therapeutische Gespräch und die therapeutische Beziehung. Egal, ob bei einem Kind persönliche oder fachliche Inhalte im Mittelpunkt stehen: Es tut gut, dass der Lerntherapeut oder die Lerntherapeutin auch ohne den persönlichen Kontakt ein offenes Ohr für Fragen und Probleme hat.

Der Video-Chat unterstützt das Therapiegespräch zusätzlich: Augenkontakt, Mimik und Gestik ermöglichen es, in Beziehung zu bleiben. Übungen wie das Tandemlesen kann man so auch innerhalb einer Online-Lerntherapie gut umsetzen (siehe Titelbild oben).

Außerdem lassen sich verschiedene visuelle Hilfsmittel über die Kamera zeigen: Bewegungs- und Entspannungsübungen können vorgeführt werden usw.



Abbildung 1 und 2: Über Videotelefonie werden Übungen zur Differenzierung ähnlich klingender Laute (links) oder zum Erfassen von Zahlbildern (rechts) visuell unterstützt.

Weiterhin werden in der Online-Lerntherapie zahlreiche Programme genutzt, die es ermöglichen, den Bildschirm zu teilen und bestimmte Dokumente gemeinsam zu bearbeiten: Kind und Therapeut/-in können dabei mit Hilfe ihrer Maus auf ein Dokument zugreifen und abwechselnd schreiben, ausschneiden oder zeichnen, während sie gleichzeitig ein Gespräch führen. Dadurch lassen sich viele lerntherapeutische Arbeits- und Übungsformen auch online verwirklichen. Beispiele:

Je nach den Anforderungen der therapeutischen Situation können Kinder freihand oder mit Unterstützung virtueller Lineale zeichnen (Abb. 3 und 4).



Abbildung 3 (links): Übungen zum Spiegelbild bzw. zur Weiterentwicklung von visuell-räumlichen Fähigkeiten

Abbildung 4 (rechts): Kombinatorische Überlegungen anhand von Streckenzügen (Diese und die folgenden Screenshots entstammen alle dem Programm „MS One Note“.)

In der Lerntherapie sollen Kinder häufig passend zuordnen: In Abbildung 5 geht es z. B. um die Zuordnung von Zahlbildern zu den passenden Zahlsymbolen. Bildobjekte können auf dem Bildschirm frei hin- und hergeschoben werden:



Abbildung 5: Zuordnung von Zahlbildern zu Zahlsymbolen mit Hilfe digitaler Bildobjekte

Je nach Vorliebe und technischen Voraussetzungen können Therapiekinder mit der Maus, einem Stift oder der Tastatur schreiben (Abb. 6). Texte, denen mit Hilfe bestimmter Lesestrategien der Sinn entnommen werden soll, lassen sich am Bildschirm besonders leicht bearbeiten (Abb. 7).



Abbildung 6: Übung zur Mitlautverdopplung anhand eines Ausschnitts aus einem Arbeitsblatt: Das Kind (schwarze Schrift) hat richtig geschrieben. Der Therapeut (rote Schrift) weist auf die Zuordnung zum Kurzvokal hin.



Abbildung 7: Oliver fügt Zwischenüberschriften in einen Text ein und markiert wichtige Informationen. (Quelle des Textes: Klexikon)

Die ersten Erfahrungen mit dem neuen Therapiesetting sind sehr ermutigend – vieles spricht dafür, Online-Lerntherapie auch nach der Corona-Krise anzubieten. Zu denken ist dabei u. a. an Familien, die weite Anfahrtswege haben, oder an Kinder mit chronischen Krankheiten, Behinderungen oder vorübergehenden Mobilitätseinschränkungen.

Weitere Einblicke in unsere Arbeit während der Corona-Pandemie bietet die Projektseite „Alles ist anders“ des Duden Instituts für Lerntherapie Berlin-Hellersdorf.