Erfolgsgeschichten
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Amelys Weg zur Großschreibung

Anfang 2014 kam Amely mit ihrem Vater zur Diagnose in ein Duden Institut für Lerntherapie. In der Schule war schon länger aufgefallen, dass Amely mit Leistungsschwankungen im Deutschunterricht zu kämpfen hatte. Lesen mochte sie zwar gern, aber sie weigerte sich, dies laut zu tun und im Schreiben fiel es ihr besonders schwer, Groß- und Kleinschreibung zu unterscheiden.

Eine Weile lang hatten die Eltern die Gründe dafür in Amelys Verspieltheit gesehen. Sie gehört zu den jüngsten Kindern ihrer Klassen, wurde aufgrund der Einschulungsregelung in Berlin bereits mit fünf Jahren eingeschult. Man wollte keinen Druck ausüben, ihr ein bisschen Zeit geben. Das verwachse sich schon, war die Annahme. Auch in den Wechsel der Klassenlehrerin nach der dritten Klasse hatten die Eltern Hoffnung gelegt. Doch als auch der Lehrerwechsel nicht den erwarteten Leistungsschub brachte, begannen die Eltern, sich zu sorgen. Der Vater übte nun mehr mit Amely und manchmal half das auch. Aber eben nicht immer. Es entstand der Eindruck, dass sie durch fleißiges Üben zwar ihre Schwierigkeiten ein Stück weit kompensieren aber die Prinzipien dahinter nicht verinnerlichen konnte. Sie hatte einiges eben einfach auswendig gelernt.

Über die Schulpsychologin kam die Familie dann zur Lerntherapie, bei der Amely nun seit einem knappen Jahr kontinuierlich Fortschritte macht. Besonders bemerkenswert war der Sprung gleich zu Beginn.

Bereits in der Diagnose schrieb Amely einen Text darüber, wie sie sich ihr Leben in 10 Jahren vorstellte. Meeresbiologin möchte sie werden, zwei Kinder haben und ein schönes Haus. 23 Fehler in neun Zeilen.

Amely war nicht überrascht, so war das nun mal. Schreiben kann sie eben einfach nicht so gut. Dachte sie. Nur vier Monate später bekam sie ihren Text noch einmal diktiert – und hatte nun 21, nein, nicht Fehler, sondern Verbesserungen!

Ein anderer Lernweg muss her

Kinder mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) haben häufig noch Defizite in den Lernvoraussetzungen für den Schriftspracherwerb. So können sie die geforderten Inhalte im Unterricht nicht richtig umsetzen, da sie sich noch auf einem anderen Entwicklungsstand befinden. Um sich an etwas zu orientieren, bauen sie dann häufig aufwendige Kompensationsstrategien oder ein eigenes Regelwerk auf.

Bei Amely hieß das beispielsweise, dass sie sich ganz eigene Regeln für die Großschreibung im Deutschen zugelegt hatte. In der Lerntherapie bekam sie dann die Möglichkeit anhand von aufbereiteten Materialien selbst zu entdecken, welche Regeln hinter der Großschreibung stecken und somit ihr eigenes „Regelwerk“ zu revidieren.

Nachdem Amely die Regeln selbst entdeckt und formuliert hatte, hat sie sich auch ihr eigenes „Regelplakat“ erstellt, um bei Unsicherheiten immer wieder nachgucken zu können. Die Häuser auf dem Plakat stehen für verschiedene Kategorien von Nomen. Kann man ein Wort beispielsweise in die Kategorie „Menschen“, „Tiere“, „Pflanzen“, „Dinge“ oder „Was man haben kann“ einordnen, so muss das Wort großgeschrieben werden.

Die Enten im Teich liefern noch einige weitere Hinweise: Auf jeder Ente hat Amely einen Artikel oder eine Präposition notiert, die ebenso darauf hinweisen, dass das nachfolgende Nomen groß geschrieben wird.

Mit diesen Hilfsmitteln kommt Amely nun sehr gut zurecht. Es gibt immer mal wieder Schwankungen und Amely hat noch ein gutes Stück Weg vor sich. Aber sie geht gern zur Lerntherapie, hat dort einen guten Ansprechpartner, den sie mag und der sie unterstützt, Vertrauen in ihre Fähigkeiten zu entwickeln und Ängste zu überwinden. Und so wollen die Eltern die Lerntherapie auch über den Schulwechsel nach der 6. Klasse weiter führen. „Es ist noch nie vorgekommen, dass ich Amely an ihre Therapiestunde erinnern musste“, sagt der Vater. „Sie geht selbständig nach der Schule dort hin und wenn auch ihre Leistungen noch schwanken, hat sie zumindest schon einen großen Motivationsschub bekommen und mehr Vertrauen in sich gewonnen.“ Weiter so, Amely!

Erfolgsgeschichten | 30.11.2019

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