Das Rechtschreibgespräch: Methoden und Vorgehensweisen
Wie lässt sich das Rechtschreibgespräch im Deutschunterricht, in Fördergruppen oder in der Lerntherapie einsetzen?
Lernen ist nicht nur ein individueller, sondern auch ein sozialer Prozess. Kinder profitieren davon, ihre Gedanken zu Sprache und Schrift auszutauschen. Wie kann ein gemeinsames Nachdenken über Rechtschreibung konkret aussehen?
Genau hier setzt das „Rechtschreibgespräch“ an: Als wiederkehrendes ritualisiertes Lernarrangement im Deutschunterricht, in der Kleingruppenförderung oder in der Lerntherapie wird das Nachdenken über die Rechtschreibung mit aktiver Beteiligung der Kinder verknüpft. Der Austausch in der gesamten Runde oder in Murmelphasen mit dem benachbarten Kind eröffnet Wege, die Strukturen der Schriftsprache selbst zu entdecken, zu begreifen und zu nutzen (u. a. Leßmann, 2023). Anhand eines ausgewählten Wortes tauschen die Kinder ihre Vermutungen zu Schreibweisen aus und suchen gemeinsam nach Erklärungen.
Rechtschreibgespräche können unterschiedliche Formate haben (z. B. Erichson, 2015; Brügelmann & Brinkmann, 2018; Leßmann, 2023). Für das Rechtschreibgespräch wird ein exemplarisches Wort, eine Wortgruppe oder ein Satz aus aktuellen Texten der Kinder oder zu einem bestimmten (Rechtschreib-)Thema bewusst ausgewählt.
Beim Rechtschreibgespräch mit dem Ampelplan
Beim Rechtschreibgespräch mit dem Ampelplan (Leßmann, 2023) folgt der Ablauf für das „Wort des Tages“ einem strukturierten Vorgehen. Für ein Beispielwort (z. B. „Erlebnis“, s. Abbildung weiter unten) wird sich zunächst über die Bedeutung des Wortes ausgetauscht. Danach schreibt das Kind das Wort im Kopf, mit dem Finger auf den Tisch oder tatsächlich auf Papier auf, bevor es das Wort mit dem korrekt geschriebenen Wort an der Tafel abgleicht. Unterstützt wird der folgende Prozess durch die Farben einer Ampel und entsprechende farbige Markierungen im bzw. am Wort:
🔴 Achtung! Stolperstellen erkennen Wo könntest du beim Schreiben unsicher werden?
🟡 Wortbausteine entdecken Aus welchen Teilen besteht das Wort? Kennst du verwandte Wörter?
🟢 Strategien und Regeln nutzen Welche Regel oder Strategie hilft dir dabei, die Schreibweise herzuleiten?
Abbildung: Beispielhafte Markierungen für das „Wort des Tages“ – hier „Erlebnis“ – beim Rechtschreibgespräch nach dem Ampelplan (nach Leßmann, 2018)
Im Mittelpunkt steht dabei nicht die schnelle richtige Lösung, sondern das gemeinsame Nachdenken über Sprache. Die Lernenden erleben, dass Rechtschreibung häufig nachvollziehbar ist und sie selbst bereits über hilfreiche Strategien verfügen.
Im Kontext von Unterricht und Förderung können sich aus dem Rechtschreibgespräch weitere Lernanlässe ergeben: das Wort im Wörterbuch nachschlagen, verwandte Wörter sammeln, Wörter mit ähnlicher Schreibweise suchen oder eigene Sätze und Geschichten mit dem Wort verfassen. Auf diese Weise werden Wörter zum Ausgangspunkt für das gemeinsame Entdecken von Strukturen, Strategien und Zusammenhängen der Schriftsprache.
Literatur
- Brügelmann, H., & Brinkmann, E. (2018). Nachdenken statt Drill: Rechtschreibgespräche als Förderkonzept. Befunde aus dem Projekt „Bremer Rechtschreibforscher*innen“. Grundschule aktuell, 143, 44–47. (Zum Artikel)
- Erichson, C. (2015). Der harte Brocken des Tages. In E. Brinkmann (Hrsg.), Rechtschreiben in der Diskussion: Schriftspracherwerb und Rechtschreibunterricht (S. 258–265). Frankfurt am Main: Grundschulverband e. V.
- Leßmann, B. (2018). Rechtschreibgespräch zu dem Wort: Erlebnis [Video]. YouTube. (Zum Film auf YouTube)
- Leßmann, B. (2023). Rechtschreibgespräche und ihre Bedeutung für das Wortschatzlernen. In: S. Jambor-Fahlen & R. Wanka (Hrsg.), Schule macht stark: Deutsch – Modul 1: Schriftspracherwerb (S. 34–40). Köln: Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache. (Zur Broschüre)
Autorin
Dr. Juliane Burmester leitet den Fachbereich Deutsch der Duden Institute für Lerntherapie