Vokabeln lernen in der Lerntherapie – das Karteikastensystem
LRS in Englisch | 12.12.2021

Vokabeln lernen in der Lerntherapie – das Karteikastensystem

Tom ist in die 7. Klasse gewechselt. Nach der ersten Englischstunde kommt er frustriert nach Hause: „Die können ja alle Englisch!“ Wir überlegen deshalb zusammen mit den Eltern, wie wir Tom helfen können. Er ist bei uns wegen einer Lese-Rechtschreib-Schwäche in Deutsch, hat aber inzwischen so große Fortschritte gemacht, dass wir uns dafür entscheiden, die Lerntherapie im Fach Englisch fortzusetzen.

Das Diagnosegespräch zeigt bei Tom neben deutlichen Grammatikschwächen vor allem große Lücken im Wortschatz. Auf die Frage, wie er denn Vokabeln lerne, antwortet Tom: „Am Tag vor dem Vokabeltest schaue ich mir die Vokabeln an und versuche sie mir einzuprägen.“ Aufschreiben würde er sie nicht. Diese Art zu lernen ist weit verbreitet. Man kann mit dieser Methode u. U. sogar gute Ergebnisse in einem Vokabeltest erzielen – nur einen Wortschatz, der auch nachhaltig zur Verfügung steht, baut man damit nicht auf.

Arbeit mit dem Karteikasten

Wir beginnen die Lerntherapie deshalb damit, eine Methode auszuwählen, die Tom auf lange Sicht Erfolge ermöglicht. Dies wollen wir durch die Arbeit mit Karteikarten und dem Karteikastensystem erreichen. Diese Methode gliedert sich in folgende Schritte:

  • 1. Aufschreiben: Tom bekommt einen Stapel Karteikarten, die er beschriftet. Auf der einen Seite schreibt er die englische Vokabel, z. B. train, auf die andere Seite die deutsche Übersetzung Zug. Besonders beim Aufschreiben der englischen Vokabel achtet Tom auf die richtige Verschriftung und markiert die schwierige Stelle im Wort (hier ai) mit einem Textmarker. Durch das Aufschreiben mit der Hand lernt er die Vokabel bereits ein erstes Mal. Wir einigen uns darauf, dass Tom pro Woche 20 Vokabelkarten erstellt. So können Vokabeln geübt werden, die aktuell in der Schule anstehen, aber auch solche Vokabeln, die allgemein seinen Grundwortschatz verbessern.

  • 2. Einprägen: Im nächsten Schritt prägt sich Tom die Vokabel inklusive der Schreibweise deutlich ein. Ich spreche ihm die englische Aussprache vor, er wiederholt diese und nennt dann die deutsche Übersetzung und die schwierige Stelle im Wort: „Train heißt Zug. Ich achte darauf, dass das Wort mit ai geschrieben wird.“ Wenn Tom zu Hause übt und bei der Aussprache unsicher ist, kann er sich die Vokabel mit einem Online-Wörterbuch vorlesen lassen.

  • 3. Vorstellen: Da man sich Bilder leichter merken kann als Buchstaben, bitte ich Tom, noch einmal das Wort train zu sprechen und sich dazu einen Zug vorzustellen.

  • 4. Anwenden: Und schließlich soll Tom einen Satz formulieren, in dem das Wort train vorkommt. Tom überlegt und sagt dann: „The train comes.“ Da Tom die Übersetzung für ankommen nicht kennt, darf er diese gleich als Nächstes lernen und den Satz noch einmal aussprechen: „The train arrives.“

Damit ist der erste Lerndurchgang abgeschlossen.


Wiederholungsphase

Tom nimmt sich nun seinen Stapel Vokabeln und versucht, vom englischen Wort auf die deutsche Übersetzung zu schließen. Danach übersetzt er aus dem Deutschen. Zunächst schreibt er die Vokabel auf ein Blatt und schaut dann, ob er sich den englischen Terminus richtig eingeprägt hat. Da sich die richtige Verschriftung im Englischen nur schwer durch Rechtschreibstrategien erschließen lässt, ist es sinnvoller, die Vokabel als ganzes Wort zu lernen.

Die Vokabeln, die Tom richtig aufschreibt, kommen dann in das zweite Fach seines Karteikastens, die anderen bleiben im ersten Fach. Am nächsten Tag werden die Vokabeln aus beiden Fächern genauso wie beim ersten Durchgang wiederholt. Wenn eine Vokabel richtig aufgeschrieben wurde, wandert sie in das nächste Fach des Karteikastens. Wenn die Vokabel nicht korrekt wiedergegeben werden kann, kommt sie zurück in das erste Fach. Auf diese Weise werden die Vokabeln nach und nach im Langzeitgedächtnis gespeichert. Das Karteikartensystem bietet den Vorteil, dass man Wörter nach bestimmten Besonderheiten in der Rechtschreibung sortieren bzw. anschauen kann, z. B. alle Wörter mit ai in der Wortmitte oder alle Wörter mit ee.

Der größere Zeitaufwand bei dieser Methode zahlt sich langfristig aus: Es wird ein gesicherter Wortschatz aufgebaut, der auch während der gesamten Schulzeit beibehalten wird. Das Karteikastensystem wird auch von vielen Vokabel-Apps verwendet.

Hier eine kleine Auswahl mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen:

phase 6:

  • Vorteil: Vokabellisten können aus Schulbüchern übernommen werden.
  • Nachteil: keine Bilder oder Animationen

caboo:

  • Vorteil: Animationen in Verbindung mit Gesten erhöhen den Spaß beim Lernen.
  • Nachteil: Vokabeln müssen gescannt werden.

drops:

  • Vorteil: Bilder und Gesten
  • Nachteil: häufige Wiederholung
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