Pädagogik und Psychologie
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Buch-Tipp | Hausaufgaben: Überblick und Praxishilfen für Halbtags- und Ganztagsschulen

Von Dr. Lorenz Huck, Leiter der Abteilung Forschung, Entwicklung, Ausbildung der Duden Institute für Lerntherapie

Britta Kohler ist Professorin für den Bereich Schulpädagogik an der Universität Tübingen. In ihrem Buch „Hausaufgaben: Überblick und Praxishilfen für Halbtags- und Ganztagsschulen“ greift sie gleich mehrere ihrer Forschungsinteressen auf: neben Hausaufgaben auch die Schulentwicklung und den Umgang mit Heterogenität.

Einleitend (Kap. 1) werden die allgegenwärtigen „Probleme mit Hausaufgaben“ angeführt, z. B. zeitliche Belastung sowie Überforderung oder Belastung der Eltern-Kind-Beziehung. Anschließend stellt die Autorin die wissenschaftliche Definition von Hausaufgaben vor (Kap. 2) und referiert die wichtigsten Forschungsergebnisse zu den Effekten von Hausaufgaben. Dabei kommt sie zu dem Fazit, dass die angestrebten erzieherischen und leistungssteigernden Wirkungen längst nicht immer erreicht werden können (Kap. 3).

Kohlers eigenes „Prozessmodell zur Wirkungsweise von Hausaufgaben“ (Kap. 4) geht von einem konstruktivistischen Grundgedanken aus: Hausaufgaben sind danach ein Lernangebot, das von den Schülerinnen und Schülern intentionsgemäß genutzt, aber auch ausgeschlagen werden kann. Darüber hinaus kann es auch in anderer Weise aufgegriffen werden, als von der Lehrperson beabsichtigt war. Auf Grundlage des Modells wird erörtert, wieweit die Frage „Gibt es gute Hausaufgaben?“ sinnvoll beantwortet werden kann (Kap. 5, vgl. auch Blogartikel „Gibt es gute Hausaufgaben?“).

In den folgenden Ausführungen (Kap. 6–8, 10) werden die vier Situationen, die im Prozessmodell eine Rolle spielen, thematisiert: Auswahl, Vergabe, Bearbeitung, Kontrolle und Auswertung von Hausaufgaben. Jedes Kapitel schließt mit einer „Zusammenfassung für die Praxis“. Praktische Überlegungen werden teilweise differenziert für Grundschule und Sekundarstufe dargestellt. Im Kapitel 9 findet sich ein Exkurs zum Thema „Hausaufgaben abschreiben“ als Beispiel dafür, dass das Lernangebot „Hausaufgabe“ in nicht intendierter Weise aufgegriffen wird.

Kapitel 11 widmet sich der Frage, wie Eltern von der Schule zur Thematik „Hausaufgaben“ informiert werden sollten. Abgeschlossen wird es durch zwei Informationsblätter für Eltern, eines für die Grundschule, eines für die Sekundarstufe.

Die Organisation von individuellen Lernzeiten (statt Hausaufgaben) an der Ganztagsschule steht im Mittelpunkt des Kapitels 12: Kohler macht deutlich, dass für eine gelingende Praxis genauestens bedacht und geklärt werden muss, wo bzw. im Rahmen welcher räumlichen Ausstattung, zu welcher Zeit und mit welcher personellen Unterstützung die Schüler/-innen lernen können.

Kapitel 13 „Wie gelingt Veränderung?“ nimmt die vorher dargestellten Ergebnisse noch einmal aus Sicht der Schulentwicklung in den Blick.

Britta Kohlers Buch „Hausaufgaben: Überblick und Praxishilfen“ überzeugt vor allem dadurch, dass zu allen behandelten Themen konsequent die Sicht von Schülern und Schülerinnen sowie von Lehrerinnen und Lehrern (belegt durch zahlreiche Zitate), der Stand der Forschung und die Bedürfnisse der Schulpraxis dargestellt sowie aufeinander bezogen werden. Neben den großen Lösungen bietet Kohler stets auch Vorschläge an, die mit minimalem Aufwand umgesetzt werden können.

Hausaufgaben: Überblick und Praxishilfen für Halbtags- und Ganztagsschulen. Britta Kohler (2017). Weinheim, Basel: Beltz. ISBN 978-3-407-25747-5

Die Frage, ob es gute Hausaufgaben gibt, klingt sehr einfach. Gleichwohl ist sie nicht so leicht zu beantworten. Der Artikel „Gibt es gute Hausaufgaben?“ von Prof. Dr. Britta Kohler bietet weitere Überlegungen zur Auswahl und zum Stellen von Hausaufgaben.