Pädagogik und Psychologie
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Immer Ärger mit den Hausaufgaben?

Bericht zum Seminar auf dem 2. Bundeskongress „Lerntherapie und inklusive Schule“ der Duden Institute für Lerntherapie

Von Dr. Lorenz Huck, Leiter der Abteilung Forschung, Entwicklung und Ausbildung der Duden Institute für Lerntherapie


Von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Duden Institute wurde unser Bundeskongress „Lerntherapie und inklusive Schule“ schon früh umgetauft: „Hast du den Leuten schon wegen ‚LuiS‘ geschrieben?“, hieß es dann intern oder: „Wir brauchen noch einen Raum mehr für ‚LuiS‘!“

Am 6. April 2019 feierte dieser LuiS gewissermaßen seinen zweiten Geburtstag – und angesichts der 350 Teilnehmer/-innen im Plenum hätte man sagen können: „Mensch, LuiS, bist du groß geworden!“

Plenum

Die Referenten, die im Plenum sprachen, bewiesen, dass ein Vortrag, wenn er gut gemacht, mitreißend und interessant ist, eine hervorragende Lernsituation sein kann. Sowohl Professor Christoph Selter, der zu den Möglichkeitsbedingungen eines guten Mathematikunterrichts sprach, als auch Professor Erwin Breitenbach, der zeigte, welche Förderung Kindern mit einer LRS wirklich hilft, schafften es, die Zuhörer/-innen mitzunehmen.

Nach der Mittagspause war dennoch fast überall Methodenwechsel angesagt: In Workshops und Seminaren wurden die Teilnehmer/-innen auf verschiedene Weise dazu angeregt, selbst aktiv zu werden. Es ging um Themen wie Schreibstrategien (Prof. Maik Philipp), die natürliche Differenzierung im Mathematikunterricht (Prof. Günther Krauthausen), Lerntrainings für von ADHS betroffene Jugendliche (Prof. Friedrich Linderkamp), Lautleseverfahren (Dr. Schröder und Dr. Wotschack), Reflexion über mathematische Zusammenhänge (Jana Köppen und Dr. Schulz) sowie soziale Integration (Prof. Christian Huber).

Seminar von Dr. Lorenz Huck

Am Ende eines langen Kongresstages schaute ich daher in gut 50 immer noch angeregte und aufnahmebereite Gesichter, als mein eigenes Seminar unter dem Titel „Immer Ärger mit den Hausaufgaben?“ begann. Auch hier sollten die Teilnehmer/-innen selbst die Möglichkeit erhalten, aktiv zu werden. Mein Impulsreferat informierte daher nur in aller Kürze zur öffentlichen Debatte um Hausaufgaben und zum Stand der Forschung inklusive der Ergebnisse unserer eigenen HaLFa-Studie. Dann waren die Teilnehmer/-innen am Zuge: Anhand eines konstruierten, aber auf realen Erfahrungen basierenden Falls diskutierten sie, wie die problematische Hausaufgabensituation von „Jonas“ zu verändern wäre, und hielten die Ideen aus ihrem Brainstorming an fünf Stellwänden fest.

Stellwand zum Seminar

Persönlich war ich verblüfft und begeistert über die Resultate: Die Teilnehmer/-innen hatten aus der Perspektive der unterschiedlichen Beteiligten eine Fülle von Vorschlägen zusammengetragen, aus denen hier nur eine subjektive Auswahl vorgenommen werden kann:

  • Eltern können zur Verminderung der Belastung durch Hausaufgaben beitragen, indem sie in Absprache mit der Schule Hausaufgabenzeiten vernünftig begrenzen oder eigene Ansprüche, z. B. „Hausaufgaben müssen richtig sein!“, hinterfragen.

  • Lerntherapeuten/-therapeutinnen können Eltern und Lehrer/-innen zur Gestaltung der Hausaufgabensituation beraten oder das Kind stärken, indem sie Erfolge beim Lernen organisieren.

  • Kinder können (mit etwas Unterstützung) lernen, Arbeitsplatz und Arbeitszeiten zu organisieren und sich geeignete Hilfe einzufordern.

  • Lehrer/-innen können – evtl. nach Absprache mit Lerntherapeutinnen/ therapeuten und Eltern – Menge und Niveau der Hausaufgaben differenzieren oder sich noch enger mit Kollegen und Kolleginnen abstimmen, um eine Häufung von Hausaufgaben zu vermeiden.

  • Die Schulverwaltung bzw. -politik könnte durch Richtwerte zur Dauer der Hausaufgaben für Orientierung sorgen oder ergänzende Lern- und Hausaufgabenzeiten an den Schulen einrichten, die von qualifiziertem Personal gestaltet werden.

Am Ende des Seminars waren selbstverständlich längst nicht alle Fragen geklärt: Die Hausaufgabensituation ist komplex und einfache Rezepte versprechen daher keine Abhilfe. Vertrauens- und respektvolle Kommunikation zwischen allen Beteiligten – Eltern, Lehrern und Lehrerinnen, Kindern und evtl. Lerntherapeutinnen/-therapeuten – bietet jedoch gute Chancen, die Hausaufgabensituation von Kindern mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche oder Rechenschwäche deutlich zu entlasten.