Englisch-Schwäche
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Herausforderungen beim Lesen in der Fremdsprache Englisch

Marleen Dudjahn, Leiterin des Fachbereichs Englisch der Duden Institute für Lerntherapie

Das Englische stellt aufgrund seiner unregelmäßigen Buchstabe-Laut-Beziehungen für jeden Lerner eine besondere Herausforderung dar. Gleiche Buchstaben bzw. Buchstabenverbindungen können häufig auf ganz verschiedene Arten ausgesprochen (z. B.: cry, any; meat, great, threat) und gleiche Laute völlig unterschiedlich verschriftlicht werden (bee, tea, key, receive …). Andere Buchstaben(-verbindungen) werden hingegen gar nicht artikuliert (z. B.: knee, bright, make). Kinder mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche stehen solchen Problemen oft sehr hilflos gegenüber und flüchten sich in verschiedene Kompensationsstrategien.

Auffälligkeiten bei Leseproblemen in der Fremdsprache

In der Lerntherapie lassen sich häufig folgende Auffälligkeiten beim Lesen beobachten: Die Schülerinnen und Schüler haben keine oder nur wenige Einsichten in englische Buchstabe-Laut-Beziehungen und greifen als Kompensation auf bekannte deutsche Buchstabe-Laut-Beziehungen oder ähnlich englisch klingende Wörter zurück (z. B. knee als kne; cup als kup …; walk als work). Auch werden gleiche Wörter immer wieder anders beim Lesen ausgesprochen. Man spricht in diesem Fall von Problemen in der Lesetechnik. Als Folge kann das mentale „Wortlexikon“ nur unzureichend aufgebaut werden, das Vokabellernen kann deutlich eingeschränkt sein und damit auch das Leseverständnis.

Weiterhin ist zu beobachten, dass Schülerinnen und Schüler über keine oder nur unzureichende Lesestrategien verfügen, d. h., sie lesen einen Text, ohne sich vorher über die Inhalte und Leseziele Gedanken zu machen. Als Folge ist häufig ein eingeschränktes Leseverständnis beobachtbar. In der Fremdsprache kommt oft erschwerend hinzu, dass die Texte unbekannte Wörter enthalten und die Kinder keine effektiven Strategien kennen, um hiermit sinnvoll umzugehen.

Förderung der Lesekompetenzen

Bei Auffälligkeiten in der Lesetechnik ist es wichtig, mit den Kindern beispielhaft englische Buchstabe-Laut-Beziehungen zu erarbeiten und sie auf die Besonderheiten im Englischen aufmerksam zu machen. Kindern mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche gelingt dies häufig nicht von selbst, sondern sie brauchen hier gezielte Hilfestellungen. In der Lerntherapie werden exemplarische Buchstabe-Laut-Beziehungen mit den Kindern erarbeitet, die sie dann lernen, nach und nach beim Lesen von Wörtern, Sätzen und Texten umzusetzen.

Bei unzureichenden Lesestrategien ist es wichtig, diese mit den Kindern zu erarbeiten und sie zur Anwendung zu befähigen. Beispielsweise müssen Kinder lernen, Leseziele zu definieren und eine bewusste Erwartungshaltung aufzubauen, Fragen an den Text zu stellen, wichtige Textabschnitte zusammenfassen zu können, und vor allem über wichtige Worterschließungstechniken verfügen.

Ein Programm, das sowohl Unterstützung bei der Förderung der Lesetechnik als auch des Lesesinnverständnisses im Englischen gibt, ist „wordly“ (Gerlach, 2016). Hier werden Lehrkräften bzw. Therapeuten verschiedene Übungen zur Festigung von englischen Phonem-Graphem-Korrespondenzen und auch zur Erarbeitung von Lesestrategien an die Hand gegeben. Auch Übungen für den häuslichen Bereich werden vorgestellt. So bietet sich für das Üben mit Eltern beispielsweise das „paired reading“ an. Hier wird ein kurzer Text zunächst von einem Elternteil vorgelesen. Wichtig dabei ist, dass das Kind den Text mitverfolgen kann. Im zweiten Schritt lesen Elternteil und Kind den Text gemeinsam laut vor. Im letzten Schritt liest das Kind alleine. Insbesondere bei Problemen im Merken der richtigen Aussprache von Wörtern bietet sich dieses Vorgehen an.

Die Erfahrungen aus der Lerntherapie zeigen, dass durch das Training der richtigen Fähigkeiten und Kompetenzen Kinder ihre Leseprobleme soweit überwinden können, dass es ihnen gelingt, einen englischen Text zu verstehen und effektiv zu bearbeiten.

Literatur

Gerlach, D. (2013): wordly Lesetraining

Weitere Informationen:
wordly Lesetraining